Mittwoch, 8. November 2017
Das Café am Rande der Welt
Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Foto-Challenge  vom travellife.blog, die unter dem sehr schönen Motto von Heinrich Heine

"Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste."

steht.

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Ich sitze in einem
Café am Rande der Welt
, lasse meinen Blick über das ruhige Meer schweifen und denke über das Leben nach.

Strandcafe
Das Café am Rande der Welt - John Strelecky

Ich habe ein schönes Leben, es gefällt mir. Ich kann mehr oder weniger tun und lassen, was ich will. Und ich will nur sehr wenig. Ich brauche nur sehr wenig, denn oft sind es die kleinen Dinge, die das Leben wertvoll machen. Gibt es einen Gott der kleinen Dinge?

Der Gott der kleinen Dinge
Der Gott der kleinen Dinge - Arundhati Roy

Gibt es jemanden, der all den kleinen, unauffälligen Schönheiten, die so oft unter der Wahrnehmungsschwelle liegen, sagt: Ihr seid wichtig, ihr verzaubert das Leben?

Während ich noch diesen Gedanken nachhänge, versuche ich in einer mir fremden Sprache einen weiteren Kaffee zu bestellen. "Bitte einen Kaffee" versuche in der Sprache jeden Landes zu lernen, das ich auf meinen Reisen besuche. Aber oft verliere ich mich im  Labyrinth der Wörter.

Das Labyrinth der Woerter
Das Labyrinth der Wörter - Marie-Sabine Roger

Und schaue in ein zuerst fragendes, dann lächelndes Gesicht. Ein Gesicht, das mein Stammeln in der Fremdsprache interpretiert und freundlich nickt. Kaffee - ein inzwischen internationales Getränk.☕💛

Der Blick in die Ferne, das gleichmäßige Plätschern der Wellen am Strand und die warme Sonne wirken auf mich ungemein beruhigend. Es ist nicht viel los, hier im Café am Rande der Welt. Ich bleibe einfach sitzen.  Die weiteren Aussichten sind gut. Der Strand ist wunderschön und ich habe alle Zeit der Welt.

Die weiteren Aussichten
Die weiteren Aussichten - Robert Seethaler

Das Leben geht auch ohne mich weiter.  Im Schatten des Windes, der die Palmen tanzen und die Sonnenschirme aus Bast dazu ein Lied rascheln lässt, verbringe ich meinen Nachmittag.

Im Schatten des Windes
Im Schatten des Windes - Carlos Ruiz Zafon

Ich setze einen Tag aus. Keine Besichtigungen,  das Handy bleibt in der Tasche, keine Gespräche über Alltagsprobleme. Schweigen.

Der Himmel verändert seine Farbe. Von strahlendem Azurblau zu einem warmen Hellblau. Kleine Wölkchen mit rosa-orangem Unterton. Der Sonnenuntergang kündigt sich an. Die letzten Verkäufer stapfen am Strand entlang. Ich kaufe ein paar Austern und lasse sie mir in der Küche zubeteiten. Eine Delikatesse.

Delikatessen
Bruno, Chef de Police – Delikatessen - Martin Walker

Gibt es einen schöneren Abschluss eines solch wunderbaren Tages? Für mich nicht. Für mich ist das Paradies genau hier, nicht anderswo.

Das Paradies ist  (nicht) anderswo
Das Paradies ist anderswo - Mario Vargas Llosa

Jede Reise ist auch immer eine Reise zu sich selbst. Eine Entdeckung der Welt im Inneren, die im Alltag so oft überlagert wird von den kleinen Pflichten und den großen Notwendigkeiten. Hier, am Rande der Welt, die Füße im Sand und über mir die ersten Sterne, spüre ich, was für eine lange Reise ich noch vor mir habe - auf dem Weg zu mir selbst.

So eine lange Reise
So eine lange Reise - Rohinton Mistry

Ein letztes Selfie in der Dunkelheit und ich nehme Abschied von diesem wunderschönen Ort.

Selfie
Selfie - Jussi Adler-Olsen

Und an dieser Stelle danke ich Selda vom travellife.blog für diese wunderbare Inspiration.

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